Die Turkvölker und Sultane des Osmanischen Reiches

 





 Die Anfänge

In Zentralasien, in einem Gebiet zwischen Pamir und Jenissei, der Wolga und dem T’ien Schan Gebirge lebten lange vor Christi Geburt Nomadenstämme, die sich in finno-ugrischer, türkischer und mongolischer Sprache verständigten. Diese Völker können als "Urtürken" angesehen werden. Sie waren kriegerische Reiter und begannen sich aus einer noch ungeklärten Ursache in alle Richtungen des Kontinents auszubreiten. Es gab vier Auswanderungswellen:

Die Hunnen unter ihrem Anführer Attila waren ein Turkvolk, welches das Chinesische Kaiserreich und Europa im Jahre 375 n.Chr. durch ihre Einfälle unaufhörlich bedrohte. Die hunnischen Reitereien wurden als "Horden" bezeichnet. In der uigurischen Spracheheißt "Ordu" Heer, so wie heute noch im Türkischen. Das Vordringen der Hunnen löste in Europa die große Völkerwanderung aus.

Im 8. - 9. Jahrhundert n. Chr. teilten sich die Turkvölker in osttürkische Stämme (Uiguren und Kirgisen) und westtürkische Stämme (Ogusen). Mitte des 6. Jahrhunderts gründeten die Ogusen in Westturkestan ein blühendes Reich mit der Hauptstadt Samarkand. Sie bekannten sich zum Islam. Die Seldschuken, ein Ogusen-Stamm, drangen im Jahre 955 n.Chr. unter der Führung des Fürsten Seldschuk in das Abbassiden Reich (Irak) vor und unterwarfen es. Seldschuks Nachfolger Israil, Mikail, Tugrul Bey und Alp Arslan dehnten die Herrschaft bis Bagdad, der Haupstadt der Kalifen, aus, welches 1055 n.Chr. eingenommen wurde. Sie drangen bis an die Ostgrenzen des byzantinischen Reiches vor und besiegten in der Schlacht bei Mantzikert Kaiser Romanos IV Diogenes von Byzanz. Der Seltschukenchan Sülyman gründete das "Reich von Rum" mit der Hauptstadt Nicaea. Im Jahre 1078 legte er den Titel Chan ab und nannte sich von nun an Sultan. Die Anrede Sultan trug derjenige, der ein mächtiger unabhängiger Herrscher über ein großes Gebiet war. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts war alleine das Reich der Rumseldschuken von machtpolitischer Bedeutung, während die anderen seldschukischen Besitztümer verloren gingen. Anfang des 12. Jahrhunderts machte Sultan Mesut I Iconium zur neuen Hauptstadt. Während des 3. Kreuzzuges (1190) wurde die blühende Kulturmetropole des Islams vollkommen zerstört, erstand aber bald wieder in neuem Glanz.

In Konya wurde am Anfang des 13.Jahrhunderts der erste Derwischorden (Mewlewi) gegründet, der später eine wichtige religiöse und politische Rolle im Osmanischen Reich spielte. Um sich gegen die Kreuzfahrer besser verteidigen zu können, entstand der militärisch ausgerichtete Derwischorden der Bektaschi, der die Grundideologie für die spätere Janitscharentruppe enthielt.

In den Jahren 1155 - 1227 befehligte der Mongole Ghengis Khan ein Heer von Reitern turkmenischen und mongolischen Ursprungs. Indem er sein Weltreich nach Osten ausdehnte, bedrohten seine Horden die Völker der Christenheit. Ghengis Khan starb 1227 überraschend und sein Sohn Ogedai setzte die Eroberungsfeldzüge fort. Nach seinem Tod 1241 zersplittertedas Mongolenreich in Fürstentümer. Teile der mongolischen Truppen traten in den Dienst des ägyptischen Sultans und rissen aufgrund ihrer militärischen Fähigkeiten  sie die Macht an sich. Sie gründeten 1257 die Dynastie der Türkischen Mameluken , die bis 1382 bestehen sollte.

Eine Gruppe von 2000 ogusischen Reitern zog Anfang des 13. Jahrhunderts, aus den asiatischen Hochebenen kommend, zunächst in das Zwischenstromland.Ihr Anführer wer Süleyman Shah. Nach seinem Tod im heutigen Syrien kehrten zwei seiner Söhne in die türkische Urheimat zurück, doch einer seiner Söhne Ertugrul zog mit seinen Gefolgsleuten weiter nach Westen, in das Reich von Rum.  In der Nähe von Eskisehir traf Ertugrul zufällig auf Seldschuken, die gegen Mongolen kämpften. Er fällte eine geschichtsträchtige Entscheidung, stellte sich auf die Seite der Seldschuken und besiegte die Mongolen. Als Belohnung erhielt er vom Seldschukensultan eine Länderei rund um das Schlachtfeld. Nach dem Tod Ertugruls 1280 gründete sein Sohn Osman ein Fürstentum. Seine Dynastie wurde im Türkischen Osmanli und im Arabischen Othman genannt. In Westeuropa leitete man daraus den Begriff Ottomane ab.
 
 
 

Die Gründer des Osmanischen Reiches (1299-1412)

 

Sultan Osman GaziSultanOsman Gazi

Nach dem Tod seines Vaters Ertugrul im Jahre 1280 wurde Osman im Alter von 45 Jahren zum neuen Führer der Osmanen. Er galt als klug, mutig und gewandt im Umgang mit der Waffe. Osman Gazi unterhielt wie sein Vater gute Beziehungen zum Sultan der Seldschuken in Konya. Sie führten gemeinsam Kriegszüge gegen die Byzantiner und einfallende Tataren. Für seine treue Ergebenheit wurde er mit Auszeichnungen der Fahne, Pauke und des Rossschweifes belohnt. Er erlangte das Recht der Münzprägung und der eigenen Gerichtsbarkeit. Osmans ständiger Begleiter und Waffengenosse war Köse Mihal, der byzantinischer Lehnsherr von Harman Kaya, der damals noch nicht zum Islam übergetreten war. Durch eine List und mit Hilfe seines Freundes Köse Mihal gelang es Osman, sich mehrerer Besitztümer rund um seine Ländereien zu bemächtigen. In der Folge unternahm er Streifzüge bis nach Brussa und dehnte somit sein Herrschaftsgebiet stetig aus.

Sein Sohn Orhan nahm Brussa 1326 ohne Kampf ein. Osman war ein sehr toleranter Herrscher, denn er duldete alle Religionen und hielt die Steuern niedrig. Auf dem Sterbebett wies Osman seinen Sohn Orhan an, die Lehren des Islams aufrechtzuerhalten und mit Milde und Gerechtigkeit zu regieren. Osman Gazi starb 1324 in Sögüt und wurde in Bursa bestattet.
 
 

Sultan Orhan GaziSultan Orhan Gazi>
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Orhan ernannte seinen Bruder Alaeddin zum ersten Wesir des Reiches. Seine Aufgabe war, mit den Fürsten die Geschäfte und Sorgen der Regierung zu teilen. Er war auch der erste Träger des Titels Pasa. In der ersten Hälfte seiner Herrschaft von 1326-1344 festigte Orhan seine Stellung in Kleinasien und baute eine Streitmacht auf. Zur gleichen Zeit zerfiel das Reich der Seldschuken und wurde größtenteils in das Osmanische Reich eingegliedert.

In der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit von 1344-1359 dehnte Orhan seine Herrschaft bis nach Thrakien und Makedonien aus. Er wird als eigentlicher Schöpfer des osmanischen Weltreiches gesehen. Köse Mihal stand ihm als vorzüglicher Heerführer zur Seite. Die Lehensreiterei (Sipahi) wurde ausgebaut. Orhan gründete viele Klöster, Moscheen und Schulen. Mit den Byzantinern lebte er abwechselnd im Kriegs- und Friedenszustand. 1337 versuchte Orhan Konstantinopel mit 36 Schiffen zu erobern, doch erlitt er eine vernichtende Niederlage. Orhan beauftragte 1357 seinen Sohn Süleyman Pasa die Dardanellen zu überqueren. Er nahm Kalipolis ein, doch starb er kurz darauf. Sultan Orhan starb im Jahre 1359 in hohem Alter.
 
 

Sultan Murad I.Sultan Murad I.

Er war ein Sohn Orhans und der byzantinischen Prinzessin Hirofira (ihr türkischer Name war Nilüfer Hatun). Durch den frühzeitigen Tod Süleyman Pasas trat Murad die Nachfolge im Jahre 1360 an. Er wurde zum ersten osmanischen Eroberer auf europäischem Boden. 1362 entstand das Korps der Janitscharen. Es waren Christenkinder, die für den Kriegsdienst als Fußtruppe ausgebildet wurden. Murad I unterjochte Westthrakien und in der Schlacht an der Maritza bezwang er Serben, Bosnier und Ungarn. Der westliche Teil Bulgariens wurde geplündert und der byzantinische Kaiser Johannes Paleologos unterwarf sich als Vasall. Murad festigte den osmanischen Besitz Angora in Anatolien. Die Türken eroberten weitere wichtige Städte in Makedonien und Ostbulgarien. Die neugewonnenen Gebiete wurden mit Osmanen besiedelt. Um das Jahr 1385 wurden Sofia und Nisch eingenommen. Gleichzeitig erlangten die italienischen Republiken Genua und Venedig durch die mit Murad geschlossenen Verträge Handelsrechte auf türkischem Boden.

Murad war auch in der Schlacht bei Konya siegreich. Im Jahre 1389 schlug Sultan Murad in der denkwürdigen Schlacht am Kosovo Polje (Amselfeld) die Serben und ihre Verbündeten unter der Führung von Fürst Lazar. Durch diese Schlacht wurde der serbische Nationalismus ins Leben gerufen, welcher ein Hauptgrund für die heutigen Probleme am Balkan ist. Sultan Murad  starb nach der Schlacht durch die Hand eines serbischen Attentäters. Fürst Lazar wurde hingerichtet und Murad  so wie Osman und Orhan in Bursa begraben. Unter Murad durften die unterworfenen Christen ihren Glauben, ihre Sitten und die kirchliche Gerichtsbarkeit behalten, doch mußten sie den Zehend an den Sultan entrichten.
 
 

Sultan Bayazid I. (Yildirim = der Blitz)

Bayazid übernahm 1389 noch am Schlachtfeld in Kosovo den Thron und ließ seinen Bruder, dessen Popularität er fürchtete, hinrichten. Er vollendete die Eroberung Serbiens und gliederte einige anatolische Provinzen in sein Reich ein, Konstantinopel belagerte er 7 Jahre vergeblich.
Ebenfalls würdigte er Mihaloglu Gazi Ali Bey, den Kommandanten der leichte Reiterei, für seine wichtige Rolle in der Schlacht gegen die Serben mit einem Ferman.
In einer Schlacht gegen den ungarischen König Sigismund und seine europäischen Verbündeten 1396 bei Nikopolis trug er einen Phyrrussieg davon. Im Anschluß daran fielen die Osmanen in der Steiermark, Bosnien und auf dem Peloponnes ein. Durch die Erfolge allzu verwöhnt vernachlässigte Bayazid die Staatsgeschäfte und Regierungsaufgaben.
Der Einfall des Mongolenheeres unter der Führung des grausamen Khan Timur, zwang Bayazid, sich den Mongolen bei Angora zu stellen. In der Schlacht 1402 wurde er besiegt und gefangengenommen. Nach seinem Tod in Gefangenschaft erlaubte Timur den Leichnam Bayazids nach Bursa bringen zu lassen. Sultan Bayazids Reich zerfiel durch die Uneinigkeit seiner vier Söhne und durch die Politik Timurs. Es folgten 11 Jahre Interregnum.
 
 


Die Blütezeit des Osmanischen Reiches (1413-1566)




Sultan Mehmed I. (Celebi = der Gelehrte)Sultan Mehmed I.

Nachdem die vier Söhne Bayazids, Isa, Musa, Mehmed und Süleyman, einen Erbfolgekrieg ausgefochten hatten, konnte sich Mehmed gegenüber den anderen behaupten und wurde Sultan. Sein Regierungsantritt war von Friedenswillen gekennzeichnet. Die Oberhoheit der Osmanen über die islamischen und christlichen Fürsten in Anatolien und auf dem Balkan war niemals in Frage gestellt. Mehmed I schloss einen Friedensvertrag mit den Venezianern und hatte gute Beziehungen zum byzantinischen Kaiser. Eine Derwischrevolte wurde niedergeschlagen. Im Alter von 42 Jahren verstarb Mehmed I und sein kriegserfahrener Sohn Murad trat die Thronfolge an.
 
 

Sultan Murad II. Sultan Murad II.
 
 Murad II bestieg 1421 den Thron und lebte mit seinen europäischen Nachbarn und Vasallen in Frieden. Im März 1430 wurde Saloniki von den Osmanen eingenommen. Die Türken fielen in Serbien und Ungarn ein. Belgrad wurde 1440 vergeblich belagert.

Im Jahre 1443 führte der Ungar Johann Hunyadi ein Kreuzfahrerheer gegen die Osmanen, die bei Nisch zurückgeworfen, bei Jalowaz vernichtend geschlagen wurden und in der Folge Sofia aufgeben mußten. Im Jahre 1444 wurde in Szeged Frieden mit den Ungarn geschlossen. Die Grenzen des politischen Machteinflusses der Osmanen blieben erhalten und die Walachei wurde Ungarn tributpflichtig. Murad II dankte zugunsten seines Sohnes Mehmed ab und zog sich nach Magnesia  zurück. Die Ungarn marschierten noch im selben Jahr mit einem Kreuzfahrerheer bis Warna, wo sie von dem aus Magnesia herbeigeeilten Murad II, besiegt wurden. Während seiner letzten 6 Regierungsjahre unternahm Murad II mehrere Feldzüge auf dem Balkan. 1451 starb Murad II bei Adrianopel und wurde in Bursa beerdigt.

Die Regierung Murads II war für die politische und kulturelle Entwicklung des Osmanischen Reiches bedeutend. Er setzte die Konsolidierungspolitik seines Vaters Mehmed I fort. Die einflußreichen Wesire Murads des II gehörten alten Familien an und waren ihm treu ergeben. Er war ein Mäzen der islamischen Dichtkunst und Literatur.
 
 

Sultan Mehmed II. (Fatih = der Eroberer) Sultan Mehmet II.

Gleich zu Beginn seiner Herrschaft machte er den ausschweifenden Sitten am Hofe zu Bursa ein Ende. Mehmed II ließ seinen Bruder, der ihm die Herrschaft hätte streitig machen können, ermorden und schuf das Gesetz des Brudermordes, das in der Folgezeit bei jedem Sultanswechsel Anwendung fand. Seine Eroberungen gingen  über die unter seinem Vater erreichten Grenzen hinaus,  er brachte auch Städte und Ländereien der Lokalfürsten unter türkische Herrschaft. Während seiner Regierungszeit wurde Konstantinopel, wo Konstantin XI Palaelogos regierte, erobert. Die Vorbereitungen wurden im Jahre 1452 mit der Erbauung der Befestigungsanlage Rumeli Hisar am Bosporus begonnen.

Am 29. Mai 1453 wurde Byzanz eingenommen und drei Tage lang zur Plünderung freigegeben. Der Mönch Gennadios Sholarios wurde zum Patriarchen, dem ranghöchsten Repräsentanten der orthodoxen Kirche ernannt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde wurde von Fatih Sultan Mehmed II anerkannt, was sein kosmopolitisches Denken bewies.
Während der Jahre 1458 - 59 wurde Serbien zu einer osmanischen Provinz. 1460 wurde der nördliche Peloponnes erobert. 1461 fiel das genuesische Amasya und Trapezunt in türkische Hände. Im folgenden Jahr vertrieb Mihaloglu Ali Bey im Auftrag des Sultans  den walachischen Fürst Vlad Dracul, den Pfähler, aus seinem Reich und nahm das genuesische Lesbos ein.
1463 - 64 wurde das Königreich Bosnien annektiert, 1463 begann ein Krieg mit Venedig. Hauptschauplatz war das Ägäische Meer. 1464 - 66 kämpften die Türken gegen das Karamanenreich in Anatolien, das bis auf einige Städte dem Osmanischen Reich einverleibt werden konnte.
1471 baute der Sultan die Festung Sabacs nahe bei Belgrad. Die Stadt selbst belagerte er vergeblich. Mehmed II kämpfte auf ungarischem und österreichischem Gebiet, führte Krieg gegen Venedig und belagerte Skutari ohne es einzunehmen. Im Jahre 1475 eroberte er das genuesische Kaffa und unterwarf das Tataren-Khanat auf der Krim. Durch einen Friedensvertrag mit Venedig mussten die Türken einige Städte in Albanien und auf dem Peloponnes abtreten. 1479 eroberte die osmanische Flotte die Ionischen Inseln und Otranto in Süditalien.
Am 3 Mai 1481 starb Fatih Sultan Mehmed II an einem Gichtanfall. Sein Leichnam wurde in der Türbe der Fatih-Moschee, die er in Konstantinopel erbauen ließ, beigesetzt. Der Sultan zeigte zu Lebzeiten Interesse an Wissenschaft, Literatur und Poesie, doch war er auch wegen seiner Blutrünstigkeit gefürchtet.
 
 

Sultan Bayazid II. (Sufi = der Weise)Sultan Baysid II.

Im Alter von 35 Jahren trat Bayazid II die Thronfolge im Jahre 1481 an. Sein jüngerer Bruder Cem bemächtigte sich der Stadt Bursa, wurde aber in der Schlacht bei Yenisehir geschlagen. Er floh bis nach Ägypten, kehrte zurück und sein Heer wurde neuerlich bei Ankara und Konya in die Flucht geschlagen. Papst Alexander VI Borgia ,der mit Bayazid II in Verbindung stand, ließ auf dessen Ansuchen hin seinen Bruder Cem in Neapel vergiften. Die Heere des Sultans unternahmen Feldzüge nach Bosnien, Dalmatien und Ungarn. Die Herzegowina wurde unterjocht. 1488 verlor Bayazid II die Städte Adana und Tarsus an die Mamluken. Seine Heere verwüsteten weite Landstriche in der Steiermark, Kärnten, Albanien und der Kraina. Fürchterliche Gräueltaten wurden begangen.
Bei Villach wurden die Osmanen 1492 geschlagen und ihr Feldherr Mihaloglu Ali Bey nach abendländischen Angaben hingerichtet. Auch das venezianische Lepanto fiel in türkische Hände.
1509 wurde Konstantinopel durch ein starkes Erdbeben verwüstet. Im selben Jahr kam es zu einem Bürgerkrieg, als Bayazid seinen Sohn Ahmed zum Nachfolger bestimmte, sein anderer Sohn Selim aber ihm den Thron streitig machte. Selim zwang mit Unterstützung des Heeres seinen Vater Bayazid II abzudanken. Am 26. 5. 1512 starb Bayazid II möglicherweise durch Vergiftung. Bayazid ließ in Konstantinopel die Bayazidje-Moschee errichten, wo er auch begraben wurde.
Während seiner Herrschaftszeit entstanden zahlreiche Moscheen, Derwischklöster und Brücken .
 
 

Sultan Selim I. (Yavuz = der Unnachgiebige)Sultan Selim I.

Als er 1512 den Thron bestieg ließ er sämtliche Brüder und Neffen auf grausamste Art ermorden. Venedig, Ungarn und Russland schickten Gesandte zum Sultan, um die vorhandenen Friedensverträge zu untermauern. Selim I konzentrierte sich auf das Reich der schiitischen Safawiden, das Gebiet des heutigen Iran und Aserbaidschan, das von Shah Ismail regiert wurde. Der Sultan verfolgte die schiitische Bevölkerung seines Reiches systematisch und ließ Tausende töten. Im Jahre 1514 kam es zur Schlacht zwischen Selim und Ismail bei Caldiran, den die Osmanen dank ihrer hervorragenden Artillerie für sich entschieden. Im folgenden Jahr gliederte Yavuz Sultan Selim Ostanatolien und Kurdistan in sein Reich ein.
Selim mußte nicht alle Städte kämpfend einnehmen, da die Bevölkerung größtenteils sunnitischen Glaubens war und sich daher auf die Seite des Sultans stellte.
Als Sultan Selim im Jahre 1516 erneut zu einem Persienfeldzug aufbrach, erfuhr er, dass der Mamluken Sultan Kansuh al-Ghuri mit einem großen Heer unterwegs war, um Shah Ismail zu helfen. Die beiden Heere trafen bei Aleppo aufeinander. Die Ägypter wurden vernichtend geschlagen und ihr Sultan getötet. Unterdessen wurde Tuman Bey zum neuen Mamlukensultan gewählt. Kairo wurde zum Kriegsschauplatz und schließlich von Selim I eingenommen. Tuman Bey floh ins Nildelta und verteidigte sich mit Unterstützung der Beduinen. Schließlich wurde er verraten und von Selim I hingerichtet.

Als Herrscher von Ägypten anerkannt, empfing der Sultan eine Gesandtschaft des Scherifen von Mekka, Barakat, der sich ihm unterwarf. Selim, der großes Interesse an den heiligen Stätten des Islam zeigte, schenkte als erster osmanischer Herrscher einen Teppich für die Kaaba. Der Sultan betraute seinen Schwager Mehmed Giray, den Khan der Krim, mit der Aufgabe, den Osten des Osmanischen Reiches gegen Perser und revoltierende Schiiten zu verteidigen.1519 plante Selim die Insel Rhodos mit einer neu gerüsteten Flotte zu erobern.
Am 20.9. 1520 beendete ein Krebsleiden das Leben Yavuz Sultan Selims I. Er wurde in einer Türbe in Konstantinopel bestattet. Sein Nachfolger Suleiman I ließ dort später die berühmte Süleymanje-Moschee errichten.
 
 

Sultan Süleyman I. (Kanuni = der Gesetzgeber, der Prächtige)Sultan Süleyman I.

Sultan Süleyman I kam im Alter von 26 Jahren, am 20.9. 1520 an die Macht und sollte 46 Jahre lang regieren. Er war der bedeutendste osmanische Herrscher und er nahm selbst an zehn Feldzügen in Europa und drei in Asien teil. 1521 wurde Belgrad  eingenommen, und im Jahre 1522 die Insel Rhodos, Sitz der Rhodiserritter, belagert. Weil die mutig kämpfenden Ritter das Angebot des freien Geleites nicht annahmen, wurden sie von den Janitscharen niedergemetzelt. Durch die Eroberung der Insel war der Weg zum unterworfenen Ägypten frei und die Osmanen hatten die Kontrolle über den venezianischen und genuesischen Handel im östlichen Mittelmeer.

Im Jahre 1525 wurde neuerlich für einen großen Feldzug gerüstet. Truppen wurden sowohl zu Land als auch auf der Donau nach Belgrad entsandt. Nachdem das Heer die Drau überschritten hatte, kam es am 28.8. 1526 bei Mohács zur Schlacht mit dem ungarischen Heer unter Führung König Ludwigs II. Der ungarische König fiel und sein Heer wurde vernichtet.

Nach den Bestimmungen des Preßburg - Wien Vertrages wurde die ungarische Krone dem Hause Habsburg übertragen. Ferdinand I von Österreich machte die Verteidigung des Abendlandes gegen die heidnischen Türken zu seinem politischen Ziel.

Sultan Sulaiman I und sein Großwesir Ibrahim Pasa ließen die ungarische Hauptstadt Ofen in Flammen aufgehen. Zur gleichen Zeit wurde auch in Bosnien, Dalmatien und Slowenien Krieg geführt. Der osmanische Sultan setzte Johann Zápolya, einen Fürsten aus Siebenbürgen als König von Ungarn ein. Da Ferdinand I ebenfalls die ungarische Krone beanspruchte, kam es zum Krieg mit den Habsburgern.

Die osmanische Armee belagerte vom 27. September bis zum 15. Oktober 1529 Wien erfolglos. Während des Truppenrückzuges wurde die Umgebung Wiens und später auch die Steiermark von Mihaloglu Mehmed Bey  und den Akinci gebrandschatzt.

Bei einem Asienfeldzug 1534 konnten Bagdad und Täbris von den Persern zurückerobert werden. Die Belagerung der venezianischen Insel Korfu war nicht von Erfolg gekrönt. Ein Aufstand in Moldawien wurde von Kanuni Sultan Süleyman I persönlich niedergeschlagen.

Nach dem Tode Johann Zápolyas 1540 wurde Ungern annektiert und von einem osmanischen Beylerbey von Buda aus verwaltet. Es kam zu einem Friedensvertrag zwischen Ferdinand I und Sultan Sulaiman I auf sieben Jahre, wobei der Herrscher Österreichs einen jährlichen Tribut zu leisten hatte. Seit Süleymans Regierung verstand man unter "Hohe Pforte" die osmanische Regierung. Seinen letzten Feldzug unternahm der Sultan im Jahre 1566 um Szeged zu erobern. Der greise Süleyman I starb am 6. 9. 1566, bevor die Stadt eingenommen wurde.





Der Machtverlust des Reiches (1566-1703)






Sultan Selim II.  (Mest = der Trunkenbold)Sultan Selim II.

Sultan Selim II bestieg 1566, im Alter von 42 Jahren, den Thron. Er besaß nicht den Herrschergeist und das Pflichtbewußtsein seines Vaters und widmete sich nur seinen privaten Vergnügungen wie z.B. Jagd, Trinkgelage, Musik und Poesie. Selim II war der erste osmanische Sultan, der ein Sarayleben führte und sich nicht dem Kampfe widmete. Großwesir Mehmed Sokollu wurde vom Sultan angewiesen, die Staatsangelegenheiten zu regeln, wobei unter anderem der Friede mit sämtlichen christlichen Ländern, darunter auch Österreich, bekräftigt werden sollte.

1570 und 1571 eroberten die Osmanen die Städte Nicosia und Famagusta auf der Insel Zypern, doch ihre Flotte wurde im Golf von Lepanto 1571 vollständig zerstört, als sich Venedig, der Papst und die Spanier zu einer Armada zusammengeschlossen hatten. Während der Herrschaft Sultan Selims II entstanden in Adrianopel die Selimije - Moschee und die Stadtmauern. In Mekka erneuerte man die alten Wasserleitungen.

Der Sultan starb im Jahre 1574 an den Folgen seiner Trunksucht.
 
 

Sultan Murad III. Sultan Murad III.

Er wurde im Dezember 1574 zum Sultan erhoben. Seine Regierungszeit war durch Machtkämpfe im Harem, Janitscharenaufstände und Korruption gekennzeichnet. Genau wie sein Vater war Murad III eine schwache Persönlichkeit und führte ebenfalls ein typisches Sarayleben.

Obwohl der Frieden mit Österreich und Venedig offiziell gewahrt blieb, kam es dennoch immer wieder zu unbedeutenden Scharmützeln. 1581 und 1583 unternahmen die Osmanen Feldzüge nach Persien, der Krim und Transkaukasien. Die Grenzen des Osmanischen Reiches konnten nicht erweitert werden, denn der Sultan war nicht am Kriegswesen interessiert.

Sultan Murad III starb im Jahre 1595 nach einem epileptischen Anfall.
 
 

Sultan Mehmed III. Sultan Mehmed III.

Mehmeds Regentschaft begann im Jahre 1595. Anfangs setzte man große Erwartungen in den neuen Sultan, doch wurden diese nicht erfüllt. Er stand unter dem Einfluß seiner Mutter, der Walide. Er war grausam, lasterhaft und am Schicksal seines Reiches gänzlich uninteressiert. Bis auf einige Truppenrevolten gab es während Mehmeds Regierung keine militärischen Auseinandersetzungen. Zu den europäischen Ländern unterhielt er friedliche Beziehungen. Mehmeds III kurze Herrschaftszeit endete im Jahre 1603.
 
 

 

Sultan Ahmed I.Sultan Ahmed I.

Ahmed I bestieg 1603 im Alter von 14 Jahren den Thron. Er war sehr religiös und ließ die Ahmedije - Moschee, die noch prunkvoller als die Hagia Sophia sein sollte, erbauen. An seinem Hofe herrschte große Willkür. Er ließ nach Lust und Laune Pasas und Wesire ermorden und ergötzte sich daran. Auch Ahmed I liebte das ausschweifende Sarayleben.

Er schloss Frieden mit den aufständischen Persern und 1617 kam es zum Friedensschluss mit den Moldau-Kosaken. Der Sultan veranlaßte eine Neuordnung der Reichsvorschriften in einem Gesetzbuch (Kanuname). Auf dem Sterbebett betraute er seinen geistesgestörten Bruder Mustafa mit der Nachfolge, da sein Sohn Osman noch zu jung war. Dies war möglich, weil er der erste Sultan war, der den Ritus des Brudermordes nicht durchführte.
 
 

Sultan Mustafa I.Sultan Mustafa I.>
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Der wahnwitzige Regierungsstil des neuen Sultans führte schon im Jahre seiner Thronbesteigung 1617 zu seiner Absetzung und der junge Osman II wurde Sultan. Während eines Janitscharenaufstandes 1622 kam Mustafa I aus seiner Isolation erneut auf den Thron. Im Jahre 1623 wurde er erdrosselt und in der Hagia Sophia beigesetzt.
 
 

 

Sultan Osman II. (Genc= der junge Osman)Sultan Osman II.

Der 15 jährige Osman kam 1618 durch einen Staatsstreich mit Unterstützung von Günstlingen an die Macht. Seine Regierungszeit war anfänglich von Frieden gekennzeichnet, doch bereits 1620 begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Polen. Sultan Osman II war bei Volk, Heer und bei den Geistlichen wegen seines Geizes und seiner Brutalität gegenüber den Janitscharen sehr unbeliebt. Der Herrscher wurde im Mai 1622 während eines Sipahi- und Janitscharenaufstandes ermordet. Der zuvor abgesetzte Sultan Mustafa I wurde wieder eingesetzt und 1623 ermordet.
 
 

Sultan Murad IV.Sultan Murad IV.

Sultan Murad IV kam 1623 an die Macht und war der blutdürstigste aller osmanischen Herrscher. Murad IV verbat alle Kaffeehäuser, Schnapsläden und den Konsum von Tabak sowie Opium. Trotz seiner Scheinmoral, trank er selbst Wein. Er brachte Ordnung in das Janitscharen- und Sipahikorps indem er skrupellos Soldaten und korrupte Pasas abschlachten ließ. Wenn es ihm gefiel ließ er einen Pasa in den Palast kommen und köpfte ihn eigenhändig, oder ergötzte sich daran, wenn er gefoltert wurde. Der brutale Sultan machte jeden Tag von seinem Recht Gebrauch 10 unschuldige Zivilisten zu töten. Dazu stellte er sich auf einen Aussichtspunkt im Saraygelände und erschoss ahnungslose Passanten mit einer Arkebuse .

Der Sultan unterhielt friedliche Beziehungen zu den europäischen Mächten. In den Jahren 1635 und 1638 unternahm er persönlich Feldzüge nach Persien und Mesopotamien, die erfolgreich abgeschlossen wurden. Sultan Murad IV führte regelmäßig Massenhinrichtungen von vermeintlichen Verbrechern und Kriegsgefangenen durch.

Als der Sultan 1640 eines natürlichen Todes starb, war das ganze Reich einer großen Last entledigt.
 
 

Sultan Ibrahim I.Sultan Ibrahim I.

Ibrahim bestieg im Februar 1640 als jüngster Sohn von Ahmed I den Thron des Osmanischen Reiches. Er wuchs vollkommen abgeschieden auf, andauernd in Angst von seinen Brüdern ermordet zu werden. Der Sultan war unfähig Regierungsaufgaben zu erfüllen. Sein Großwesir
Kara Mustafa leitete Reformen in Finanz- und Steuerwesen ein, um neue Geldressourcen für Ibrahims ausschweifendes Palastleben zu erschließen. Die Walide und die Sultanin sorgten für die Unterhaltung des Herrschers, indem sie immer neue Haremsdamen fanden. Als das Gerücht aufkam, dass eine Konkubine ein Verhältnis mit einem Hofdiener hätte, ließ der Sultan 280 Frauen aus dem Harem ertränken.
Er verteilte hohe Staatsämter willkürlich an unfähige Leute und nahm Bestechungsgelder an.
Dieses Verhalten hatte zur Folge, daß sich sowohl das Volk als auch die Janitscharen und die Geistlichen gegen ihn auflehnten. Sultan Ibrahim wurde im August 1648 abgesetzt und erdrosselt.
 
 

Sultan Mehmed IV.Sultan Mehmed IV.

Mehmed IV war 7 Jahre alt als er im Jahre 1648 zum Sultan ernannt wurde. Die Staatsgewalt wurde von der Walide und dem Janitscharenkorps ausgeübt. Innerhalb weniger Jahre wurde das Amt des Großwesirs 13 Mal neu vergeben. Mit dem Großwesir Köprülü Mehmed Pasa konnte endlich ein fähiger Mann den Machtbestrebungen des Harems ein Ende setzen.

Er kämpfte erfolgreich in Transsylvanien und mit Hilfe des Khans der Krim konnte er die osmanische Vormachtstellung in den Fürstentümern an der Donau behaupten. Großwesir Köprülü Ahmed Pasa, der Sohn Köprülü Mehmed Pasas, vervollständigte die Eroberung Kretas, das seit Ibrahim I umkämpft war. Sultan Mehmed IV führte selbst Feldzüge gegen Österreich an, mußte sich aber in der Schlacht bei St. Gotthard an der Raab 1664 geschlagen geben. Ein Krieg mit Polen 1672 endete für die Osmanen erfolgreich. Nach dem Tod Köprülü Ahmeds 1676 ernannte der Sultan Kara Mustafa Pasa zum neuen Großwesir. Kara Mustafa führte Kriege gegen die Kosaken und gegen Österreich. Zwischen dem 13. Juli und dem 12.September 1683 belagerte er Wien vergeblich. Er wurde seines Amtes enthoben und hingerichtet. In den folgenden Jahren gingen große Teile Ungarns an Österreich verloren.

Nach Truppenrevolten wurde der Sultan im November 1687 abgesetzt.
 
 

Sultan Süleyman II.Sultan Süleyman II.  

Nach der Absetzung Mehmeds IV wurde sein Bruder Süleyman II am 8. November 1687 zum Sultan erhoben. Der Herrscher sah es als seine Aufgabe, ebenso glorreiche Taten zu vollbringen wie sein Vorfahr Süleyman der Prächtige. Nur mit größten Schwierigkeiten konnte das meuternde und revoltierende Heer wieder zur Räson gebracht werden, als es aus Ungarn nach Konstantinopel zurückkehrte. Die Osmanen mussten im Jahre 1687 weitere Niederlagen in Ungarn und Dalmatien hinnehmen. Sie verloren weiters Belgrad, Semendra und im Jahre1689 Nisch. Zudem hatte der Sultan mit Renegaten in seinen eigenen Reihen zu kämpfen.

Der Großwesir Köprülü Mustafa Pasa reorganisierte das Heer und mit Hilfe einer tatarischen Armee eroberte er im Jahre 1690 Belgrad, Nisch und Semendra wieder zurück. Auch in Transsylvanien und Albanien war das osmanische Heer erfolgreich.

Im Juli 1691 starb Sultan Süleyman II in Edirne und wurde in der Türbe Süleymans I in Konstantinopel beigesetzt. Seine hochgesteckten Ziele konnte er nicht in die Tat umsetzen.
 
 

Sultan Ahmed II.

Sultan Ahmed II.>
<p><font color=Ahmed II, der Bruder Süleymans II und Mehmeds IV, trat im Alter von 49 Jahren im Jahre 1691 die Thronfolge an. Während seiner vierjährigen Regierungszeit konnte er keine militärischen Erfolge verzeichnen. Kämpfe in Dalmatien, Polen und auf der Insel Chios brachten weitere Niederlagen für die Osmanen. Sultan Ahmed II starb im Februar 1695.
 
 

 

 

Sultan Mustafa II.Sultan Mustafa II.

Mustafa II war der älteste Sohn Mehmeds IV und kam im Februar 1695 an die Macht.

Er war ein fähiger Sultan nach altem Vorbild und stellte sich an die Spitze eines großen Heeres, mit dem Ziel die unter seinen Vorgängern verlorengegangenen Gebiete zurückzuerobern. Es gelang ihm bis in den Banat und nach Siebenbürgen vorzudringen und Temesvár einzunehmen. In Karlowitz an der Drau wurde am 26. Februar 1699 Frieden mit Österreich, Polen und Venedig geschlossen und im Jahre 1700 auch mit Russland. Der Friedensschluß ermöglichte es dem Sultan und dem Großwesir das Heerwesen neu zu ordnen, doch zogen sich die beiden den Unwillen der Janitscharen zu, da sie sich andauernd in Edirne und nicht in der Reichshauptstadt Konstantinopel aufhielten. Die Janitscharenrevolte endete mit der Absetzung des Sultans im Jahre 1703. Er verstarb im Dezember desselben Jahres und wurde in der Hagia Sophia beigesetzt.
 
 

Der Niedergang der Osmanen (1703-1839)






Sultan Ahmed III.Sultan Ahmed III.

Am 23. August 1703 wurde Ahmed III Sultan des Osmanischen Reiches. Er schaffte im aufrührerischen Janitscharenkorps Ordnung indem er mehrere Führer hinrichten ließ. Im Jahre 1711 kam es zum Krieg mit Rußland:
Zar Peter der Große verfolgte die Politik der sogenannten "Öffnung zu den Meeren", im Norden zur Ostsee und dem Finnischen Meerbusen und im Süden zum Asowschen- , Schwarzen- , und Marmarameer. Letztlich sollte auch Konstantinopel erobert werden.

Der Schwedenkönig Karl XII marschierte in Rußland ein, nachdem der Zar eine Offensive gegen Schweden begonnen hatte. König Karl XII wurde 1709 bei Poltawa geschlagen und konnte bei den Osmanen Zuflucht finden. Durch seinen Botschafter Tolstoj forderte der Zar die Auslieferung des Schweden. Als sich Sultan Ahmed III weigerte und den Botschafter ins Gefängnis warf, brach 1711 der Krieg mit Rußland aus. In der Schlacht am Pruth mußte sich der Zar geschlagen geben, einen Waffenstillstand mit den Türken schließen und ihnen die Stadt Asow überlassen. Endgültigen Frieden brachte jedoch erst der Vertrag von Edirne 1713 mit Unterstützung von England, Holland und Frankreich, die eine Expansion Rußlands verhindern wollten.
Im Dauerkonflikt mit Venedig gab es Erfolge für die Osmanen, als sie Korinth, Argos und Nauplia auf dem Peloponnes einnahmen.

Das Osmanische Reich erklärte dem mit Venedig verbündeten Österreich den Krieg. Am 5. August 1716 kam es bei Peterwardein zur Schlacht. Prinz Eugen von Savoyen schlug die fast doppelt so starke osmanischen Streitmacht. Im Oktober des selben Jahres wurde Temeswár eingenommen und im August 1717 fiel auch Belgrad in österreichischen Hände.

In den Friedensverhandlungen von Passarowitz 1718 erhielten die Österreicher große Gebietszusprüche wie, Teile der Walachei, den Banat, Teile Serbiens mit Belgrad und Teile Bosniens. Mit Österreich wurde außerdem ein Handelsvertrag und im Krieg mit Persien 1724 ein Teilungsvertrag zwischen Rußland und dem Osmanischen Reich geschlossen.
Sultan Ahmed III mußte während eines Janitscharenaufstandes zugunsten seines Neffen Mahmud I abdanken und starb am 30. Juni 1736. Er hatte großes Interesse an Tulpen und pflanzte 1200 verschiedene Arten in den Gärten des Sarays.
 
 

Sultan Mahmud I.Sultan Mahmud I.>
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Zu Beginn seiner Herrschaft 1730 beschenkte er die aufständischen Janitscharen reichlich und sicherte so den inneren Frieden. Die Staatsaufgaben wurden von sehr fähigen Wesiren und Beamten geführt, wobei der Kizlar Aga großen Einfluß hatte. Der Sultan widmete sich seinen Interessen im Saray, doch unterließ er die teuren Treibjagden, die seine Vorgänger zu veranstalten pflegten.

Während des Krieges mit Persien kam es zum Konflikt mit Rußland, das im März 1736 die Festung Asow von den Osmanen zurückeroberte. Mit Persien wurden schließlich Friedensverhandlungen geführt, in denen man sich auf die Grenzen zu Zeiten Murads IV einigte. Österreich, der geheime Verbündete Rußlands, begann wieder Krieg gegen die Osmanen zu führen. Zunächst verloren die Türken Nisch an die Österreicher und Otschakow an die Russen. Kurz darauf wurde Nisch zurückerobert und als ein osmanisches Heer vor Belgrad stand, wurde der Frieden von Belgrad 1739 geschlossen, der die Stadt den Osmanen zusicherte. Danach kam es zu einer länger andauernden Friedensperiode mit den europäischen Staaten. Die diplomatische Tätigkeit der "Hohen Pforte" war während der Regierung Mahmuds I sehr angesehen.

Immer wieder aufflackernde Revolten der Janitscharen, sowie das Loslösen der ägyptischen Mamluken-Beys hatten eine stetige Schwächung des Reiches zur Folge, obwohl es nach außen hin einen starken Eindruck machte.

Sultan Mahmud I starb am 13. Dezember 1754. Er interessierte sich zeitlebens für die Wissenschaft, gründete Bibliotheken und ließ zahlreiche Brücken und Klöster in den Provinzen errichten.
 
 

Sultan Osman III.Sultan Osman III.

Sultan Osman III, der Bruder Mahmuds I, kam im Dezember 1754 an die Macht. Während seiner kurzen Regierungsperiode kam es weder zu außen- noch innenpolitischen Konflikten.

Er übernahm die Verwaltungshandhabung seines Vorgängers, doch waren seine Beamten und Wesire bei weitem nicht so fähig und wurden oft gewechselt. Osman III liebte es, sich in der Öffentlichkeit verkleidet zu bewegen, um die Meinung des Volkes auszukundschaften. Hinrichtungen waren an der Tagesordnung und das Volk selbst litt unter Armut und Willkür. In den Jahren 1755 und 1756 verwüsteten große Brände Konstantinopel.
Sultan Osman III starb am 30. Oktober 1757.
 
 

Sultan Mustafa III.Sultan Mustafa III.

Im Oktober 1757 wurde Mustafa III zum Sultan erhoben. Bis zum Jahre 1762 unterhielt das Osmanische Reich friedliche Beziehungen zu seinen Nachbarn. Während der Regentschaft Katharina der Großen in Rußland kam es zu aggressiven Grenzübergriffen auf das Khanat der Krim und auf die osmanischen Gebiete in Georgien. Der Sultan zögerte lange, erklärte aber schließlich 1768 Rußland den Krieg, der zur See und auch zu Lande ausgefochten wurde.

Der Krieg wurde von der Zarin, die die Osmanen völlig vernichten wollte, mit großer Rücksichtslosigkeit geführt. Es wurde am Balkan, auf der Krim und in Georgien erbittert gekämpft. An allen Fronten erlitten die Osmanen empfindliche Niederlagen. Eine russische Flotte verheerte Städte an der türkischen Schwarzmeerküste und drang bis zum Bosporus vor.
Eine weitere Flotte, die von der Ostsee her ins Mittelmeer vorgerückt war, vernichtete bei Cesme am 5. Juli 1770 mit Unterstützung der Engländer die osmanische Seestreitmacht. Konstantinopel blieb von Kriegshandlungen verschont. Die Russen eroberten die Krim und die Tataren unterwarfen sich. Im Jahre 1773 drangen die russischen Truppen erneut in Rumänien ein, konnten aber Warna und Silistra nicht einnehmen. Der Sultan starb plötzlich am 24. Dezember 1773 während des Krieges mit Rußland. Sultan Mustafa III galt als guter Herrscher, schaffte es jedoch nicht die militärische Desorganisation in den Griff zu bekommen.
 
 

Sultan Abdülhamid I.Sultan Abdülhamid I.

Am 21. Jänner 1774 trat Abdülhamid I die Thronfolge an. Der Sultan war gezwungen mit dem siegreichen Rußland den Frieden von Kücük Kaynarci im Juli 1774 zu schließen.

Rußland bekam den freien Schiffsverkehr im Schwarzen Meer und die freie Durchfahrt ins Mittelmeer. Außerdem wurden das Asowsche Meer, die Krim, die Moldau und die Walachei russisches Territorium.

Unruhen in Syrien und Palestina mußten gewaltsam niedergeschlagen werden. Die Perser unter der Führung des Krim Khan fügten den Osmanen bei Mosul und Basra im Dezember 1776 schwere Verluste zu. Die "Hohe Pforte" mußte tatenlos zusehen, wie sich Österreich der Bukowina bemächtigte. Schließlich ging auch im Jahre 1778 Bessarabien an die Österreicher verloren.
Sultan Abdülhamid I verstarb am 7. April 1789 an den Folgen eines Schlaganfalles.
 
 

Sultan Selim III.Sultan Selim III.

Der Sultan kam im April 1789 an die Macht und begann sofort umfassende Reformen im Reich durchzuführen. Zur Beschaffung neuer Finanzmittel wurden Lehn eingezogen und die Truppen mit Hilfe französischer Militärberater reorganisiert. Dennoch wurden seine Truppen im Krieg mit Österreich und Rußland mehrmals vernichtend geschlagen. 1790 schloß man den Friedensvertrag von Jassy, in dem die alten Vertragsbedingungen von Kü¸ ük KaynarcÏ erneuert wurden. Der Herrscher legte sehr viel Wert auf diplomatische Beziehungen mit allen europäischen Ländern, speziell Frankreich. Das gute Verhältnis zu den Franzosen fand ein jähes Ende als Napoleon seinen Feldzug nach Ägypten durchführte. Der Sultan verbündete sich mit den Engländern um den Aggressor zu bekämpfen. Die Franzosen schlossen im Jänner 1800 einen Waffenstillstand mit den Osmanen, doch wurden die Engländer vertragsbrüchig und die Truppen des Sultans mußten sich im März nach erfolglosem Kampf in die Wüste zurückziehen. Im März 1802 schlossen die Osmanen und Frankreich den Frieden von Amiens.

In Rumelien mußte die "Hohe Pforte" Aufständische bekämpfen und in Serbien rebellierten die Großbauern unter der Führung des Karadjordje (Kara Georg). Die Festung von Belgrad war seit 1806 unter serbischer Herrschaft. Die Osmanen konnten die Autonomiebestrebungen der Serben nicht unterdrücken.
Die Janitscharen und andere Reformgegner schlossen ein Komplott gegen den Sultan und setzten ihn im Mai 1807 ab.
 
 

Sultan Mustafa IV.Sultan Mustafa IV.

Der neue Sultan Mustafa IV trat noch im selben Monat die Nachfolge an. Bereits im Juni 1808 stürmten Anhänger des alten Sultans Selim III den Palast, wo dieser gefangen gehalten wurde, um ihn wieder auf den Thron zu setzen. Bevor die Truppen in das Saray eindringen konnten, wurde Selim III hingerichtet. Die Anhänger Selims sperrten Mustafa IV vorerst in den Kerker bis ihn der neue Sultan Mahmud II ermorden ließ.
 
 

 

Sultan Mahmud II.Sultan Mahmud II.

Bis zu seiner Thronbesteigung im Juli 1808, lebte Mahmud II in Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit. Er war der Sohn Abdülhamids I und der Französin Aimée Dubucq deRivery.
Deshalb wurde er auch "Sohn der Französin" und "Der christliche Sultan" genannt. Der Sultan hatte mit großen innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Rußland, das seit 1806 die Donaufürstentümer besetzt hielt und Expansionsbestrebungen zeigte, mußte in Schach gehalten werden. Auf dem Balkan drohten Aufstände, besonders in Bosnien und Serbien. In Ägypten waren die Mamluken, die das Land ausbeuteten und korrupt regierten, zu einem großen Unsicherheitsfaktor geworden. Mehmed Ali Pasa ließ mit Billigung des Sultans 800 aufrührerische Mamluken-Beys töten. Da die Wahabiten die heiligen Städte Mekka und Medina erobert hatten, beauftragte die "Hohe Pforte" im Jahre 1809 Mehmed Ali Paê a die Ordnung in Arabien herzustellen. Er konnte mit großem Erfolg die Autorität des Osmanischen Reiches wieder festigen.

Sultan Mahmud II leitete Reformen im Bildungs-, Rechts- und Verwaltungswesen ein, stieß jedoch auf heftigen Widerstand der Janitscharen. Die "Yeni Ceri" hatten ihren Ruf als ruhmreiches Berufsheer eingebüßt. Ihr Kampfgeist war im Laufe der Jahre geschwunden, sie trieben Handel, hatten das Heiratsrecht erworben und waren sehr wohlhabend. Sie wollten nicht auf ihre Bequemlichkeit verzichten. Zu Zeiten Sultan Murad I um 1362 gab es ca. 1000 Janitscharen und zu Mahmuds II Zeiten waren es bereits 140.000 Soldaten. Der Sultan entschloß sich, die Janitscharen endgültig und erbarmungslos zu vernichten, da er seine Reformbestrebungen sonst nicht verwirklichen konnte. Auch das Volk stand nicht mehr auf der Seite der "Elitetruppe". Am 15. Juni 1826 starben 8000 Janitscharen im Kanonenhagel der sultantreuen Artillerie. In einem Ferman wurde die vollständige Liquidation aller Janitscharen im Reich angeordnet, die im Jahre 1830 abgeschlossen war.

Ein Wahrsager hatte Mahmud II verkündet:" Behältst du sie, wirst du durch sie umkommen. Entledigst du dich ihrer, wirst du auch umkommen, nur anders." Und so war es.

Das Osmanische Reich war an einen Abschnitt seiner Geschichte gelangt, an dem es nur noch tragische Alternativen gab. Indem er das Korps der Janitscharen ausrottete, hatte Mahmud II die tragende Säule des Reiches aus vier Jahrhunderten gestürzt, und doch konnte er nicht anders, wollte er dieses Reich doch noch modernisieren.

Auf dem Peloponnes kam es bereits im Jahre 1820 und 1822 zu eher unbedeutenden Aufständen der Griechen. Im Jahre 1824 erreichten die Unruhen ihren Höhepunkt in der Belagerung der Stadt Missolonghi. Der Tod Lord Byrons während der Kampfhandlungen alarmierte die Westmächte. Die türkische Flotte wurde bei Navarino im Jahre 1827 von einer britisch-französisch-russischen Seestreitmacht vernichtet. Durch den Vertrag von Adrianopel 1828 entstand ein unabhängiger griechischer Staat, der den Peloponnes und einige Inseln umfaßte.

In den letzten Jahren seiner Herrschaft kämpfte Mahmud II gegen Mehmed Ali Pasa von Ägypten, der seinen Machtbereich innerhalb des osmanischen Staates ausdehnen wollte.

Sultan Mahmud II starb im Juli 1839 in Istanbul. Er war zwar mit seinen Staatsreformen nicht sehr erfolgreich, führte aber doch Modernisierungen in der Gesellschaftsordnung durch. Er schuf eine Ausbildungsstätte für Ärzte, ein Quarantänesystem, ließ die erste Volkszählung in Istanbul durchführen, gründete eine Zeitung, erließ eine neue Kleiderordnung nach europäischem Vorbild und schuf ein Regierungssystem mit einem Kabinett von Staatsministern.
 
 
 
 

         Das Ende des Reiches - "Der kranke Mann am Bosporus"      (1839-1922)

Der Ausdruck "kranker Mann am Bosporus" stammt von Zar Nikolaus I. Alle europäischen Mächte sahen beim "Todeskampf" des osmanischen Reiches zu und hofften von der Hinterlassenschaft einen Teil zu bekommen.
 
 

Sultan AbdülmecidSultan Abdülmecid

Nachdem Abdülmecid im Juli 1839 Sultan geworden war, ließ er sofort den Dolmabahce Palast als Privatwohnsitz erbauen. Für die Errichtung des Palastes waren Unmengen von Geld notwendig, da er mit Marmor, Gold und den prunkvollsten Einrichtungsgegenständen ausgestattet wurde. Das große Saray blieb der Regierungssitz.

Unter Sultan Abdülmecid trat die Türkei dem Viererbund (England, Rußland, Österreich-Ungarn, Preußen) bei. Im Jahre 1853 drangen russische Truppen in die unter osmanischer Oberhoheit stehenden Donaufürstentümer ein. Daraufhin rief der Sultan England und Frankreich, die Rußlands Expansion in den Mittelmeerraum fürchteten, zu Hilfe. Es kam zum Krimkrieg, der bis 1856 dauerte und in dessen Verlauf die Festung Sewastopol auf der Krim erobert wurde. Gemäß der Friedensbedingungen von Paris 1856 wurden die Dardanellen und der Bosporus für Kriegsschiffe gesperrt, Serbien, die Moldau und die Walachei unabhängig, das osmanische Reich behielt aber noch das Oberlehnsrecht.

Ein Erlaß des Sultans im Jahre 1856 gewährleistete Gleichheit für alle Bürger des türkischen Staates, Nichtmoslems wurden zum Kriegsdienst zugelassen. Dies führte zu Aufständen religiöser Gruppierungen. Da Abdülmecid wegen seines verschwenderischen Lebenswandels und seiner modernen Reichsführung sehr unbeliebt war, sollte er ermordet werden, doch verstarb er unerwartet im Juni 1861 im Alter von 38 Jahren.
 
 

Sultan Abdülaziz

Sultan Abdülaziz

Abdülaziz wurde im Juni 1861 Sultan. Auch er verschwendete die Staatsgelder für private Zwecke, ließ prunkvolle Paläste erbauen und feierte teure Feste. Um das Geld für seinen ausschweifenden Lebensstil zu beschaffen, wurde das Reich gnadenlos ausgebeutet. Selbständigkeitsbestrebungen Montenegros und Kretas, das den Anschluß an Griechenland forderte, wurden im Keim erstickt.
Inzwischen steigerte sich die Verschwendungssucht Sultan Abdülaziz ins Unermeßliche.
400 Musikanten, 200 Tierwärter, 300 Küchenangestellte und 400 Stallknechte mußten bezahlt werden. Die Walide kaufte täglich 50 Seidenkleider und verschenkte sie. Der Sultan kaufte Panzerschiffe, ohne eine Besatzung dafür zu haben und Lokomotiven, obwohl es keine Geleise dafür gab. Abdülaziz jagte Hühner in den Räumen seines Palastes und ließ Soldaten Scheinkämpfe austragen. Er hatte panische Angst vergiftet zu werden und fürchtete sich vor Feuer. Jährlich benötigte man 2 Millionen Pfund für die Ausgaben des Sultans. 1875 war der Staat bankrott. In Bosnien, Herzegowina und in Bulgarien kam es zu Aufständen und in der Regierung zu einer Verschwörung gegen den Sultan. Abdülaziz wurde im Mai 1876 abgesetzt und beging wenig später Selbstmord.
 
 

Sultan Murad V.Sultan Murad V.

Murad V bestieg den osmanischen Thron im Juni 1876 und war stark alkoholabhängig.

Das Kabinett erhoffte sich im neuen Sultan einen Befürworter dessen Reformen, doch der Herrscher war aufgrund seiner Krankheit nicht fähig seine öffentlichen und politischen Verpflichtungen wahrzunehmen. Ein Ärztekollegium erstellte ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand und erklärte ihn für amtsunfähig. Nach seiner Absetzung verstarb Murad V. im August 1904.
 
 

Abdülhamid II.Sultan Abdülhamid II.

Im Jahre 1876 kam Abdülhamid II an die Macht. Er war der letzte selbständige Autokrat des osmanischen Reiches. Seine grausamen Repressionen und sein blutiger Regierungsstil brachten ihm den Namen "der rote Sultan" ein. Abdülhamid II kam in einer für das Reich sehr schwierigen Situation an die Macht, denn Aufstände und Mißwirtschaft schwächten das ohnehin schon zerfallende Reich noch mehr.
Innerhalb eines knappen halben Jahrhunderts war aus dem "kranken" ein "sterbender Mann am Bosporus" geworden.

Sultan Abdülhamid II ließ den Palast Yildiz Kösk erbauen. Im Jahre 1877 witterten die Russen erneut ihre Chance zum Mittelmeer vorzudringen und erklärten der Türkei den Krieg. Es wurde gleichzeitig an der Donau, im Schwarzen Meer, am Balkan und sogar bei Kars an der Kaukasusgrenze gekämpft. An allen Fronten mußten die Türken erhebliche Niederlagen hinnehmen. Es war den Russen möglich aus Edirne vorzurücken und sie kamen bis in die Nähe von Istanbul. Am 31. Jänner 1878 kam es zu einem Waffenstillstand und im darauffolgenden Friedensvertrag von San Stefano im Jahre 1878 diktierten die Russen den Türken ihre Bedingungen. Durch diesen Vertrag verloren die Osmanen ihren ganzen europäischen Landbesitz und durften nur Thrakien bis zur Stadt Edirne behalten. Serbien, Montenegro, Bulgarien, Bosnien - Herzegowina und Rumänien wurden selbständig. Außerdem war es nun den Russen gestattet, die Meerengen in Kriegs- und in Friedenszeiten zu passieren. Im selben Jahr wollten sie erneut gegen die Türkei vorgehen, doch wandten sich nun alle europäischen Großmächte gegen die Russen, um deren Vordringen an das Mittelmeer zu verhindern. Im Berliner Kongreß wurde der Vertrag von San Stefano rückgängig gemacht.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen der Jahre 1877 und 1878 waren für die Russen nicht von nennenswertem Erfolg gekrönt und die Türkei verlor nur wenig Land.

Sultan Abdülhamid II wurde zusehends zu einem Tyrannen, der die Armenier in seinem Reich verfolgen ließ und beschattete die Bürger durch ein Netz von Spitzeln und Spionen. Im Gegenteil zu europäischen Großmächten wie Großbritannien, Frankreich und Österreich-Ungarn, die das osmanische Reich zu beseitigen versuchten, halfen die Deutschen unter Kaiser Wilhelm II den Türken ihr Reich zu stärken und ihr stark geschwächtes Heer neu zu organisieren. Durch die allgemeine Unzufriedenheit gegenüber dem Sultan angeregt, bildeten die Gegner

Abdülhamids II die Oppositionspartei der "Jungtürken" im Jahre 1906, deren Führer Enver Pasa war. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, während dessen eine den "Jungtürken" treue Armee nach Istanbul marschierte und Sultan Abdülhanid II am 24. August 1908 absetzte. Er verstarb 1918 in Gefangenschaft in Istanbul.
 
 

Sultan Mehmed V.Sultan Mehmed V.

Der neue Sultan Mehmed V verdankte es nur den "Jungtürken" im April 1909 an die Macht gekommen zu sein. Er war der erste konstitutionelle Machthaber des osmanischen Reiches.

Gleich zu Beginn seiner Herrschaft mußten die Türken ihre letzten Hoheitsrechte über Bosnien-Herzegowina aufgeben, weil es von Österreich-Ungarn besetzt wurde. Bulgarien erklärte sich ebenfalls für unabhängig. Im Krieg mit Italien im Jahre 1911 mußten die Türken Tripolitanien und die Stadt Tripolis selbst abgeben und verloren somit nach Algerien (1830) und Tunesien (1881) ihre letzten Besitztümer in Nordafrika. Im Oktober 1912 brach der erste Balkan-Krieg aus, in dem sich alle Balkanländer gegen die Türkei verbündeten. Sie rückten auf breiter Front vor. Die Türken mußten schwere Niederlagen hinnehmen, doch Enver Pasa stellte ein neues Heer auf und rückte gegen die Bulgaren vor, die Adrianopel belagerten. Er wurde vernichtend geschlagen und im Mai 1913 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, durch den die Türkei alle europäischen Besitztümer bis auf Istanbul abgeben mußte. Im Juni 1913 brach der zweite Balkan-Krieg aus, als Bulgarien seinen Verbündeten Serbien angriff, weil sich die beiden Nationen nicht über die Aufteilung des gerade erlangten Landes einigen konnten. Enver Pasa nützte diese Situation, griff die Bulgaren, die Edirne besetzt hielten an, und schlug sie. Durch diesen Sieg war die Türkei in der Lage Ost-Thrakien zu behalten.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte die Türkei ab Oktober 1914 an der Seite der Achsenmächte. Zunächst war es den Türken möglich zwischen Jänner und August 1916 in der Kaukasusregion unter der Führung Mustafa Kemal Pasas die weit in das Reich vorgedrungenen Russen aufzuhalten und sogar hinter die Grenzen zurückzudrängen. Mustafa Kemal gelang es ebenfalls die Franzosen und Engländer, die an den Dardanellen gelandet waren, zurückzustoßen und hinderte sie so daran nach Istanbul vorzudringen. Im Jahre 1917 starteten die Engländer eine Großoffensive gegen die Türken in Palästina. Die Verteidigungsfront der Osmanen bei Jerusalem wurde durchbrochen und die Stadt von den Alliierten besetzt. Mustafa Kemal Paê a errichtete schnell eine neue Verteidigungslinie bei Damaskus. Jedoch nahmen im Oktober 1918 die Engländer die Stadt ein und die Türken mußten sich nach Norden zurückziehen, als sie die Nachricht vom Ende des Ersten Weltkrieges erreichte.

Sultan Mehmed V verstarb überraschend am 2. Juni 1918 noch bevor der Krieg zu Ende war.
 
 

Sultan Mehmed VI.Sultan Mehmed VI.

Der letzte Sultan des einstmals so großen osmanischen Reiches bestieg am 3. Juni 1918 den Thron. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt wurde der Waffenstillstand von Mudros im Oktober 1918 unterzeichnet. Anhänger der "Jungtürken" gingen ins Ausland.
Enver Pasa kämpfte in Turkmenistan gegen die sowjetische kommunistische Rote Garde und fiel im Kampf.

Das Reich war für den Sultan unregierbar geworden und es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Friedensbedingungen von Sévres im Jahre 1920, die von der Entente diktiert wurden, anzuerkennen. Das osmanische Reich wurde komplett aufgeteilt. Es entstanden griechische, italienische, englische und französische Territorien, im Osten die unabhängige Republik Armenien und das autonome Gebiet der Kurden. Den Türken blieb ein unterentwickelter Landstrich rund um Ankara, ungefähr von der Größe des ehemaligen Fürstentums des ErtuÈ rul. Seit dem Kriegsende schickte sich Mustafa Kemal Pasa an eine Befreiungsarmee aufzubauen, um die Türkei vor der angehenden Fremdherrschaft zu bewahren.

In den Jahren 1920 bis 1922 gelang es ihm und seinen Truppen die Russen und Italiener aus der Türkei zu vertreiben. Es war ihm ebenfalls möglich die Franzosen von den ihnen versprochenen Gebieten fernzuhalten. Der Kampf gegen die Griechen war auf beiden Seiten sehr grausam und verlustreich, doch gelang es Mustafa Kemal Pasa die Griechen aus dem asiatischen Teil der Türkei zu vertreiben und die Stadt Izmir zurückzuerobern.

Um Ost-Thrakien den Griechen entreißen zu können, durchbrachen Kemals Truppen die englischen Linien an den Dardanellen bei anakkale. Die Engländer zogen sich aus der Türkei zurück und die Griechen mussten die ursprünglichen Grenzen östlich der Maritza anerkennen.

Am 1. November 1922 setzte die Nationalversammlung auf Drängen Mustafa Kemals das Sultanat außer Kraft und der letzte Sultan Mehmed VI musste das Land verlassen. Er verstarb am 16. Mai 1926 im Exil.

Gazi Mustafa Kamal Pasa - Atatürk (Vater der Türken) proklamierte am 29. Oktober 1923 die Republik und wurde zum ersten Präsidenten. Er war Staatschef, Parlamentspräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Türkische Volkspartei war die einzig zugelassene.