Das Derwisch-Kloster des Seyyid Battal Gazi

 

 

Informationen zum Namen und zur Person

Das Derwisch-Kloster des Seyyid Battal Gazi liegt auf einem Bergrücken über dem gleichnamigen Ort. Sie Siedlung befindet sich ca. 50 km südlich von Eskisehir und ca. 100 km nördlich von Afyon. Ihren Namen erhielt die Derwisch Niederlassung von Seyyid Battal Gazi, einem Glaubenskrieger, der vermutlich zwischen 680 - 740n.Chr. (Hicaz 60 - 122) lebte und dort begraben sein soll. Seyyid Gazi war der Sohn von Hüseyin Gazi, dem damaligen Statthalter von Malatya (in Ostanatolien). Sein eigentlicher Name soll Abdullah bin Hüseyin gewesen sein. Es gibt ebenfalls auch Spekulationen über eine Verwandtschaft zu Imam Cafer, Imam Hüseyin und auch Imam Ali, die im shiitischen Islam eine zentrale Rolle einnehmen. Seyyid Gazis Mutter, Saide Hatun, soll auch mit dem Propheten Mohammed in verwandtschaftlicher Beziehung gestanden haben. In den frühen Eroberungsfeldzügen der Araber spielte Seyyid Battal Gazi eine bedeutende Rolle. Den Überlieferungen zu Folge war er als Glaubenskrieger an der Belagerung Konstantinopels (711-718 n.Chr.) und den anatolischen Feldzügen beteiligt. In der Schlacht bei Akrenion im Jahre 740n. Chr. (Hicaz 122) gegen die Byzantiner fand er den Heldentod und wurde in einem Grab auf einem Hügel über dem späteren Ort Seyitgazi beerdigt.

Trotz der Bedeutung Seyyid Gazis scheint die Verehrung seiner Person erst zur Zeit der seldschukischen Herrschaft in Kleinasien im 11. Jahrhundert begonnen zu haben, da die Gegend bis dahin Teil des byzantinischen Reich war. Daraus ergibt sich eine beinahe 400jährige Informationslücke. Das erste erwähnte Denkmal an Battal Gazi wurde durch Ümmühan Hatun, der Mutter des Seldschuken Sultans Alâüd-Din Keykubad (Regierungszeit 1220 - 1237 n. Chr.) erbaut. Sie hat ihn einem Traum Seyyid Battal Gazi, dessen Heldentaten und sein Grab gesehen. Daraufhin ließ sie an jenem Ort (Seyyitgazi) im Jahre 1207-1208 n.Chr. in der Regierungszeit Sultan Keyhüsrev bin Kilicarslan eine Türbe und eine Mescit (kleine Moschee) zu Ehren des Glaubenskriegers errichten. Ümmühan Hatun wurde nach ihrem Tod auf dem Gelände des Heiligtums begraben. Viele der Bauwerke in Komplex des Seyyid Battal Gazi sind architektonisch den Rum-Seldschuken zuzuordnen. Da die Rum-Seldschuken den allevitisch geprägten Orden der Bektaschi nahe standen, kam das Heiligtum Seyyid Gazi unter maßgeblichen  Einfluss des Sufiismus. Gelehrte wie Hoca Ahmet Yasevî (? - 1166), Yunus Emre (1240 - 1320), Haci Bektas-i Veli (1209 - 1270) und Haci Bayram-i Veli (1352 - 1420) trugen dazu bei, dass das Grabmal Seyyid Battal Gazis sich zu einem Pilgerstätte und bedeutenden Zentrum des Bektaschi Ordens entwickelte.

 Verbindung zwischen Seyyid Battal Gazi und der Familie Mihaloglu

Auch die in 14. Jahrhundert emporstrebenden Osmanen förderten das Heiligtum Seyyid Battal Gazis. Sultan Orhan Gazi war für eine Renovierung und Ausbau der Anlage zu Beginn der osmanischen Herrschaft verantwortlich. Später kam es zu einem weitere großen Instandsetzung und Erweiterung des Komplexes während der Herrschaft Sultan Bayesid II. im Jahre 1511. Sultan Bayesid II. war für seine Gelehrsamkeit und Bildung im theologisch/wissenschaftlichen Bereich als Sufi bezeichnet worden und war den Gedankengut des Bektaschi Ordens sehr zugetan, wodurch er auch als Förderer der Pilgerstätte Seyyid Battal Gazis auftrat. Da der Bektaschi Orden eine maßgebliche Rolle bei der Verbreitung des Islam auf dem Balkan spielte, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Familie der Mihaloglu der Philosophie der Bektaschi sehr nahe stand. Nicht zuletzt wird Mihaloglu Mehmed Bey (Sohn von Gazi Mihal Bey) des Öfteren als ein Befürworter der Lehren des Seyh Bedreddin Mahmud bin Kadi Simavna erwähnt, der als allevitischer Geistlicher zur Zeit des osmanischen Erbfolgkriegs Anfang des 15. Jahrhunderts bedeutenden religiösen Einfluss ausübte, jedoch 1420 auf Befehl Sultan Mehmed I. als Aufwiegler hingerichtet wurde. Aus den Stiftungsurkunden und Gründungsinschriften der jeweiligen Gebäude im Komplex des Seyyid Battal Gazi ist ersichtlich das mehrere Mitglieder des Familie Mihaloglu als Erbauer neuer Trakte bzw. Instandsetzer bestehender Bauwerke auftreten. Dies wären Mihaloglu Ali Bey (angeführt in Inschrift aus dem Jahre 1464 n.Chr.) und zwei seiner Söhne, Mihaloglu Ahmed Bey und Mehmed Bey (beide angeführt in Inschriften aus dem Jahre 1511 n.Chr.)

 

 

Bildergallerie


 

Eingang zum Heiligtum des Seyyid Battal Gazi

Kitâbe in schwarzer Schrift

 

Kitâbe am Eingang

Übersetzung: Der Segensgruß sei auf Euch, o Sultan Seyyid Battal-i Ghazi im Jahre 717 der Hicaz (1317n.Chr.) - noch vor der Regierungszeit Sultan Orhan Gazis

Säulengang vor dem Eingang zur Türbe des Seyyit Battal Gazi sowie Mihaloglu Mehmet und Ahmet Bey.